Für unsere zweite Mannschaft, die ja in der letzten Saison mit einem sehr schönen 2. Platz den Aufstieg aus der A-Klasse in die Kreisklasse geschafft hatte, begann heute, als Gast bei den Schachfreunden vom TuS Holzkirchen, die neue Saison.
Dabei wurde schnell klar, dass in der Kreisklasse die Bäume für uns nicht in den Himmel wachsen werden; vielmehr ist wohl von Beginn an mit einem zähen Kampf um den Klassenerhalt zu rechnen – Ausgang offen. So fehlten uns leider schon an diesem ersten Spieltag unsere drei Spieler an den Spitzenbrettern. Mannschaftsführer Alexander Hörl organisierte Ersatz, und so wurde aufgerückt.
Sehr erfreulich dann der sichere und souverän herausgespielte Sieg von Freya Werner an Brett 5! Mannschaftsneuling Cedric Damhjell war an Brett 6 leider nicht der gleiche Erfolg vergönnt; er mußte nach einer etwas wilden Partie, in der sein König früh auf Wanderschaft gehen mußte, die Waffen strecken.
Am dritten Brett steuerte Robert Weiß gewohnt solide und ungefährdet ein Remis zum Mannschaftsergebnis bei.
Das war es leider dann auch schon mit den Punkten für uns… Am Spitzenbrett konnte Hans Höbart aus einer leicht vorteilhaften Stellung im Mittelspiel nichts greifbares herausholen, und im schwerblütigen Endspiel mit einer Minusqualität war am Ende nichts mehr auszurichten, und Hans gab die nunmehr aussichtslose Partie auf.
Auch Eurem Berichterstatter Peter Schneider an Brett zwei erging es vom Ergebnis her leider nicht anders, obwohl der Partieverlauf durchaus spannend war. Mit den schwarzen Steinen spielend konnte ich in einem Falkbeer-Gegengambit meinen Gegner zunächst gehörig unter Druck setzen. Dieser verteidigte seine schlecht entwickelte und beengte Stellung jedoch sehr erfindungsreich, und konnte schließlich sehr spät doch noch rochieren und seine Position etwas befestigen. Nachdem ich über weite Phasen einen erheblichen Zeitvorteil auf der Uhr angesammelt hatte, kam ich gegen Ende des Mittelspiels ob des fruchtlosen Grübelns über einen brauchbaren Plan in der unerwartet ausgeglichenen Stellung doch noch selber in Zeitnot, und es unterlief mir mit nur noch einer Minute auf der Uhr ein grober Lapsus, der sofort die Partie wegstellte. Schade, ärgerlich… aber: „Watt willste machen?“, wie man im Ruhrgebiet sagt.
Den letzten verzweifelten Kampf um eine Ergebnisverbesserung lieferte sich dann noch Kapitän Alexander Hörl mit Schwarz mit seinem Gegner. Alexander fand sich in einem Turm-Endspiel mit zwei Minusbauern wieder, und wehrte sich noch recht lange gegen das Unvermeidliche, um vielleicht doch noch ein Remis zu erreichen – allein: sein Gegner machte keinen Fehler mehr, und brachte mit einem weit vorgerückten Freibauern auf der h-Linie und einer aktiven Königsstellung dieses Endspiel sicher für die Holzkirchner nach Hause.
Am Ende stand ein Ergebnis von 4,5 : 1,5 für Holzkirchen auf dem Ergebniszettel, und für uns zwei Erkenntnisse:
- Die Saison wird noch lang und voraussichtlich schwierig
- Das Schachspielen erfordert ein gerüttelt Maß an Frustrationstoleranz, und damit ist keinesfalls die Maß gemeint, die zur Zeit auf der Wiesn augeschenkt wird!
Post Scriptum: Am Heimweg ließ ich mich von Alexander an der Tattenkofener Brücke absetzen, um während eines längeren und hoffentlich entspannenden Spaziergangs entlang der Isar stromaufwärts Richtung Heimat über meine überflüssige Niederlage nachzudenken, und auch um durch Bewegung etwas Dampf abzulassen… 😉
Schließlich eröffnete mir unser schönes Voralpenland auf der Goritzleiten diesen herrlichen Blick auf Jochberg, Wettersteinwand, Herzogstand, Heimgarten, Zugspitze und Ammergebirge, und nach etwas Sonne tanken und einem ausgedehnten Blick in die traumhafte Landschaft war die Niederlage dann doch (fast!) vergessen.
