Felix Beck, Spitzenspieler unserer 1. Mannschaft, hat mit ChessRiddle eine Schach-Trainings-App entwickelt, die nach erfolgreicher Test- und Pilotphase jetzt allgemein verfügbar ist! Stephan Balder hat Felix dazu ein paar Fragen gestellt:

Servus Felix,
an unserem Weihnachtsblitzturnier im Dezember 2025 hast Du uns eine von Dir entwickelte Schach-Software angekündigt, die jetzt seit kurzem für alle verfügbar ist! Was kannst Du uns über diese Software erzählen und wie bist Du überhaupt auf die Idee dazu gekommen?

ChessRiddle ist eine Schach-Trainings-App, mit der man seine taktischen Fähigkeiten und sein Vorstellungsvermögen am Brett verbessern kann. Die App bietet Taktikaufgaben, Visualisierungsübungen und vieles mehr.

Die Idee ist bei meinem eigenen Training entstanden. Ich habe oft lichess und chess.com für Taktikaufgaben benutzt. Dort ist die Verlockung groß, einfach einen Zug einzugeben, der gut aussieht. Ein Opfer zum Beispiel. Selbst, wenn der Zug richtig war, hatte ich gar nicht wirklich gerechnet und war oft überrascht von der Antwort des Gegners. In einer echten Partie wäre das fatal – da muss ich vorher wissen, was nach der Gegnerantwort kommt. Daher kam die Idee, Taktikaufgaben so zu gestalten, dass ich gezwungen bin, bis zum Ende zu rechnen.

Was unterscheidet ChessRiddle von anderen Schach-Apps?

Der zentrale Unterschied ist unser Lösungsprinzip: Bei ChessRiddle gibt man nicht Zug für Zug ein und bekommt sofort Feedback. Stattdessen muss man einen kompletten Variantenbaum berechnen – also den eigenen Zug, die stärkste Gegnerantwort, die eigene Fortsetzung, und so weiter. Erst, wenn man seinen gesamten Lösungsbaum eingegeben hat, schickt man ihn ab. Im Hintergrund überprüft dann eine Stockfish-Engine serverseitig, ob die Berechnung stimmt. Dabei muss man insbesondere die stärkste Verteidigung des Gegners korrekt antizipiert haben – sonst gilt die Aufgabe als nicht gelöst.

Das bildet realistisches Brettdenken ab: In einer Partie kann ich ja auch nicht nach jedem Zug nachschauen, ob er stimmt. Ich muss die ganze Variante im Kopf durchrechnen, bevor ich mich festlege. Genau das trainiert ChessRiddle.

Dazu kommt ein besonderer Eingabe-Modus: Die Figuren bewegen sich auf dem Brett nicht wirklich. Man gibt seinen Zug per Drag & Drop ein, aber das Brett bleibt in der Ausgangsstellung stehen. Die Züge werden als Variantenbaum neben dem Brett angezeigt. Das zwingt einen, die Stellung im Kopf weiterzurechnen, statt sich auf die visuelle Hilfe des Bretts zu verlassen.

Und wer es besonders schwierig und partienah will: im Mixed Mode werden taktische Stellungen gemischt mit Stellungen, bei denen ein „normaler“ ruhiger Zug am besten ist. Hier weiß ich nicht schon vorher, dass es garantiert eine Kombination gibt, die Vorteil bringt.

Neben den Taktikaufgaben bietet ChessRiddle auch gezielte Visualisierungsübungen. Im Figurenlos-Modus sind die Figuren auf dem Brett unsichtbar – man sieht nur eine Figurenliste und muss die Stellung komplett im Kopf rekonstruieren, bevor man die Taktik lösen kann. Im Vorzüge-Modus wird eine Zugfolge angekündigt, aber nicht auf dem Brett ausgeführt. Man muss jeden Zug mental nachverfolgen und dann aus der berechneten Stellung heraus die Lösung finden. Im Eröffnungsfehler-Modus bekommt man die Notation der Anfangszüge aus echten Partien, in denen ein Spieler in der Eröffnung gepatzt hat – man muss den Fehler erkennen und den Zug finden, der Vorteil bringt.

Wie werden die Taktikaufgaben ausgewählt oder generiert?

Die Taktikaufgaben stammen aus der Lichess-Puzzle-Datenbank, die unter einer Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar ist. Das sind mittlerweile mehrere Millionen Aufgaben aus echten Partien, die thematisch getaggt sind – also nach Motiven wie Gabel, Fesselung, Abzugsangriff und so weiter. Wir generieren keine eigenen Puzzles, sondern nutzen diese hochwertige, von der Community kuratierte Sammlung.

Die Aufgaben werden dem Nutzer passend zu seinem aktuellen Rating zugewiesen. Wer möchte, kann auch gezielt nach bestimmten taktischen Themen filtern.

Auf welchen Plattformen wird ChessRiddle verfügbar sein?

ChessRiddle wird auf drei Plattformen verfügbar sein: als Web-Anwendung unter chessriddle.com und bald auch als App für iOS und Android.

Wie schaut das Preismodell aus?

ChessRiddle nutzt ein Freemium-Modell. Die kostenlose Version bietet drei Puzzles pro Tag, Koordinatentraining, Evaluationstraining, Grundstatistiken, Ranglisten und eine Freundefunktion – also schon eine ganze Menge.

Wer mehr möchte, kann auf Gold upgraden: für 7 Euro im Monat oder 70 Euro im Jahr. Damit bekommt man unbegrenzt Puzzles, zusätzliche Modi wie Riddle Streak, einen Trainingsplan und erweiterte Statistiken. Uns war wichtig, dass die App auch ohne Bezahlung sinnvoll nutzbar ist und dass der Preis fair bleibt. Jeder neu registrierte Nutzer kann die Gold-Features für 2 Wochen kostenlos testen.

Gibt es spezifische Zielgruppen?

Die Hauptzielgruppe sind ambitionierte Vereinsspieler und fortgeschrittene Hobbyspieler – also Leute, die ernsthaft an ihrem Spiel arbeiten wollen und verstanden haben, dass bloßes Drauflosraten bei Taktikaufgaben nicht reicht. Wer im Verein spielt und sein Rating verbessern will, wird von ChessRiddle am meisten profitieren. Aber auch Anfänger können es nutzen, da sich die Schwierigkeit der Aufgaben automatisch an das Niveau des Nutzers anpasst.

Können wir mit Weiterentwicklungen rechnen?

Auf jeden Fall! Das Erstellen eines Trainingsplans wird noch detaillierter. Außerdem sollen Nutzer bald eigene Favoriten-Puzzles speichern und Aufgabensammlungen anlegen können. Das ist besonders für Trainer interessant, die für ihre Schüler Training auf chessriddle.com machen wollen. Ideen gibt es viele – und wir freuen uns, wenn die Community Feedback gibt, was am meisten gewünscht wird.

Lieber Felix, vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute! Unser Schachclub ist sehr stolz auf Dich!

Felix Beck, Creator der Schach-Trainings-App chessriddle.com

Screenshot einer Beispielaufgabe aus chessriddle.com

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