In der Zugspitzliga mußte unsere erste Mannschaft heute, nach dem Auftakt-Remis gegen unsere Schachnachbarn und in freundlicher Lokalrivalität verbunden Kollegen aus Bad Tölz, nun auswärts gegen Weilheim II ran an die Bretter.
Im Vorfeld hatten wir alle das etwas flaue Gefühl, daß das heute eine ganz knappe Kiste werden könnte. Aber: weit gefehlt! Tatsächlich gelang uns heute mit 7:1 ein Kantersieg, den so niemand von uns auf der Rechnug hatte!
Mit Robert Balders schnellem Auftaktsieg am vierten Brett fing das Match schon sehr gut für uns an: Roberts Gegner stolperte über eine Nebenvariante der Französischen Verteidigung. Durch die ungenaue Abwicklung verlor er zunächst die Qualität und einen Bauern. Nach dem Einbruch der beiden Türme in die weiße Stellung war diese nicht mehr haltbar und der erste volle Punkt für uns damit gesichert.
An Brett sechs steuerte Christoph Humburg bald danach nach einem ausgeglichenen Partieverlauf einen weiteren halben Punkt bei.
Eine weitere halbe Stunde später ging es dann Schlag auf Schlag: nacheinander gewannen Peter Schneider (8), Renato Wittstatt (7) und David Prassas (2) ihre Partien!
Peters Gegner hatte sich mit den weißen Steinen in der Eröffnung, der Karpow-Variante (mit Zugumstellung) in der Caro-Kann-Verteidigung, mit seiner Figurenentwicklung etwas zuviel Zeit gelassen, um einen etwas fragwürdigen Bauernvorstoß am Damenflügel zu beginnen. Mir gelang es, meinen Entwicklungsvorsprung gut auszunutzen, und durch aktives Figurenspiel eine Druckstellung aufzubauen, die dann im weiteren Verlauf für meinen jungen Gegner nur schwer zu verteidigen war. So ging dem Weißen zuerst eine Figur, und dann schließlich die Partie verloren.
Renato mit Weiß konnte nach einer unregelmäßigen Eröffnung den Königsangriff seines Gegners, für dessen Erreichung dieser einen sehr schwachen Doppelbauern in Kauf nahm, gut parieren und verteidigen. Schließlich konnte Renato dann am Damenflügel zu einem erfolgreichen Gegenangriff übergehen, der ihm zwei weit vorgerückte verbundene Freibauern einbrachte. Diese konnte der Gegner mit seinem Turm schließlich nicht mehr aufhalten, und gab die Partie auf. Damit 3,5 zu 0,5 für uns!
David belohnte sich für sein mutiges Spiel ebenfalls mit dem vollen Punkt! Nach einigem Manövrieren stand er schließlich mit verdoppelten Türmen auf dem Damenflügel haushoch überlegen, und belagerte die schwache Bauernstruktur des Gegners, die dieser nur durch äußerst passive Verteidigung ohne Aussicht auf Gegenspiel überhaupt halten konnte. Schließlich brachte ihm ein Springeropfer gegen zwei Bauern den entscheidenden Durchbruch, und Davids Gegner streckte die Waffen! Nun also sogar schon 4,5 zu 0,5 und damit der Mannschaftssieg für uns! In der Analyse nach der Partie war aber dann nicht mehr so ganz klar, ob diese Aufgabe nicht verfrüht war. Anscheinend wäre es wohl bei präzisem Gegenspiel dem Weißen möglich gewesen, Davids Freibauer doch noch aufzuhalten?! Am nächsten Freitag, wenn David sein Partieformular mitbringt, wissen wir mehr.

An den verbleibenden drei Brettern kämpften Nathanael „Nate“ Poysti (1), Peter Bonhoff (3) und Matthias Schmidt (5) noch längere Zeit um eine Ergebnisverbesserung, und ihre Gegner jeweils um Schadensbegrenzung für die Weilheimer Gastgeber.
Peter Bonhoff mit Weiß belagerte den schwachen und isolierten e6-Bauern seines Gegner, und lavierte dabei so geschickt, daß sein Gegner dem Tempo der Figurenumgruppierung des Weißen nicht mehr folgen konnte, und Peters Königsangriff gegen die weiteren schwachen Felder um den schwarzen Monarchen herum letztlich durchschlagenden Erfolg hatte: der Gegner lief in ein Familienschach, d.h. eine Springergabel, die ihn die Dame kostete und so natürlich zu seiner sofortigen Aufgabe führte.
Nate, unser neuer Spitzenmann am ersten Brett, hatte sich mit den weißen Figuren in einer schwerblütigen, geschlossen Sizilianischen Verteidigung mit vertauschten Farben, also im Prinzip einem Reti-ähnlichen Aufbau, zunächst einen deutlichen strategischen Vorteil erspielt. Zwischenzeitlich unterlief ihm aber eine Unachtsamkeit, die ihn deutlich in Nachteil, gar in Verlustgefahr hätte bringen können, wenn sein Gegner diesen Lapsus als solchen bemerkt und ausgenutzt hätte. Hat er aber nicht! Und „hätte, hätte, Fahrradkette“ gewinnt im Schach nun mal keine Partien – zu Nates und zu unserem Glück hat sein Gegner bei dieser Gelegenheit nicht sauber gerechnet, eine Fesselung übersehen, und so konnte Nate in ein gewonnenes Endspiel abwickeln.
In der letzten noch laufenden Partie kämpfte Matthias in deutlich überlegener Stellung um den vollen Punkt. Aber da es ein Schwerfigurenendspiel war, es waren beiderseits nur noch Damen und Türme auf dem Brett, war die Realisierung dieses Vorteils für Matthias tatsächlich schwieriger als erwartet. Seine Gegnerin nutzte geschickt die etwas offenere Stellung von Matthias‘ König aus, um wirksame Gegendrohungen zu schaffen. Durch diese aktive Gegenspiel erreichte sie eine Zugwiederholung, bot bei dieser Gelegenheit dann Remis, was Matthias, der kein Risiko mehr eingehen wollte, dann auch gleich annahm.

Somit also unterm Strich ein sehr angenehmer 7:1 Sieg für uns, und diese zwei Mannschaftspunkte nahmen wir dann sehr zufrieden mit nach Hause. Sie tun uns in der Tabelle wirklich gut! So wie das nunmal ist, wenn man hoch gewinnt.