Weiß ist Trumpf! Das galt heute unzweifelhaft beim Auswärtsspiel unserer „Zwoten“ in der A-Klasse gegen Germering III, denn in einem spannenden Kampf konnten doch heute alle unsere Weiß-Spieler an den Brettern 1, 3, und 5 ihre Partien gewinnen, während die Punktausbeute an den schwarzen Brettern 2, 4, und 6 mit nur einem Remis vergleichsweise mager ausfiel. Letztendlich reichte es aber damit zu einem knappen und auch etwas glücklichen 3,5 – 2,5 Auswärtssieg für uns, womit wir die Tabellenführung in der A-Klasse behaupten.
Die ersten entschiedenen Partien und der weitere Verlauf ließen uns jedoch zunächst um die Tabellenführung zittern. An Brett 6 kam Gerrit Knackfuß leider nicht gut in seine Partie: er sah sich früh einem starken Druckspiel seines Gegners ausgesetzt, stand positionell nur hintendrin, und konnte keine wirksamen Optionen auf ein Gegenspiel realisieren. So mußte er recht bald schon seine Partie aufgeben und dem Gegner gratulieren.
Etwas besser lief es bei Robert Weiß am vierten Brett gegen seinen jungen Gegner, die Germeringer Nachwuchshoffnung Atticus Nguyen Trung: mit den schwarzen Steinen sah sich Robert mit einer soliden Italienischen Partie konfrontiert, in der beide Spieler großen Wert auf sichere positionelle Entwicklung legten. Das taktische Highlight ergab sich im 24. Zug, als Schwarz durch eine clevere Fesselung den Damentausch erzwang, und vorübergehend einen Bauern gewann. Weiß reagierte jedoch umsichtig, eroberte das Material umgehend auf der c-Linie zurück und leitete nach dem Abtausch der Türme souverän in ein ausgeglichenes Endspiel über. Am Ende entstand ein komplett blockiertes Leichtfigurenendspiel, in dem man sich im 42. Zug auf ein absolut leistungsgerechtes Remis einigte.
Euer Berichterstatter Peter Schneider konnte an Brett 2, ebenfalls mit Schwarz, heute leider keine Bäume ausreissen: obwohl er gegen die weiße Bird-Eröffnung (1. f4) mutig das taktische Froms-Gambit (1. … e5) aufs Brett brachte, beeindruckte das den Germeringer Weiß-Spieler nicht im Geringsten; der lehnte das Gambit nämlich einfach ab, und entschied sich zu einem ruhigen und grundsoliden Aufbau, der zu einem starken weißen Bauernzentrum führte. An der dabei entstehenden passiven Stellung des schwarzen Königsläufers krankte die schwarze Partie das ganze Mittelspiel über, und in Zeitnot ging dann noch in komplizierter Stellung eine schwarze Figur verloren: zuviel des (nicht ganz so) Guten für heute, und Peter streckte die Waffen.
Nun lagen wir also mit 0,5 – 2,5 hinten, und die Frage war: konnten unsere Weißspieler das noch rausreißen? Oh ja, sie konnten, und wie!
Am dritten Brett hatte Stephan Balder mit Weiß nach 24. f5 diese interessante Stellung erreicht:

Angesichts des deutlichen Rückstands setzte Stephan im weiteren Verlauf alles auf eine Karte, um die Frage zu entscheiden, ob hier der weiße Springer oder der schwarze Läufer die bessere Figur ist. Am Ende entschied dann, nach Ungenauigkeiten von Schwarz in Zeitnot, die schwarze Bauernschwäche am Damenflügel: Rückstand verkürzt!
Die Partie von Alexander Hörl mit Weiß am fünften Brett sah lange Zeit völlig offen aus. Nach einer ausgeglichenen Eröffnung gab es zwar eine offene h-Linie für Weiß, allerdings wollte sich trotzdem kein zwingender Angriffsplan gegen die schwarze Königsstellung einstellen. Schwarz hielt mit durchdachten Verteidigungszügen bis in die beiderseitige Zeitnotphase gut dagegen. Dann unterlief Alexander jedoch aufgrund der knappen Zeit ein Lapsus, der ihn eigentlich die Partie hätte kosten müssen; er übersah eine fatale Damenfesselung! Aber wenn die letzten Sekunden runterticken, gilt oft: Frechheit siegt… Ein Konter, der eigentlich nur ein letztes Racheschach sein sollte, ließ den anschließend perplexen Germeringer drastisch fehlgreifen, sodaß praktisch aus dem Nichts plötzlich statt Damenverlust ein Damentausch für Weiß möglich war. Ein klassischer Doppel-Blunder in Zeitnot, diesmal mit der Butterseite oben für uns! Das anschließende Bauernendspiel mit einem Mehrbauern brachte der sichtlich glücklich entronnene Alexander dann sicher nach Hause: Ausgleich!
Nun mußte also die letzte Partie von Niels Hamann am Spitzenbrett die Begegnung entscheiden!

Trotz Mehrbauer(n) eine sehr schwierig zu spielende Stellung. Niels behielt in diesem komplizierten Endspiel die Übersicht und die Nerven (!) und brachte den ganzen Punkt und damit auch den 3,5 – 2,5 Mannschaftssieg unter Dach und Fach!
Hier die gesamte, hochinteressante Partie zum Nachspielen:
Damit liegen wir nach 6 von 8 gespielten Runden mit 13 Punkten auf Platz 1, vor Hohenpeißenberg mit 11 Punkten. Wir haben uns somit gute Chancen auf den Ligasieg erarbeitet, müssen aber noch gegen Gauting, Gröbenzell und Ammersee antreten.

Der bisherige Mitfavorit Tegernsee hat sich dagegen wohl aus dem Kreis der Titelanwärter verabschiedet: offensichtlich haben die Tegernsee heute keine Mannschaft zusammenbekommen, und haben somit kampflos 0 – 6 gegen den Tabellenletzten Ammersee verloren. Sehr bitter für echte Schachfreunde, wenn einem im Saisonschlußspurt so ein vermeidbarer Lapsus passiert, und auch sportlich sehr schade für den eigentlich spannenden Titelkampf.